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Die schnellsten Zwillinge der Schweiz



Pioniere. Die Nidwaldner Rennfahrer Mike und Simon Danner lösten als erste ein Formula-V-Abonnement. Nun fahren sie in Cham durch Monte Carlo, auf dem Nürburgring und im Nudeltopf von Indianapolis – und können plötzlich mit ihrem Hobby Geld verdienen.


Sie stammen aus dem Herzen der Schweiz. Sie haben Benzin im Blut. Sie arbeiten als Konstrukteur beziehungsweise Luftfahrzeugmechaniker. Sie sind die schnellsten Zwillinge des Landes: Simon und Mike Danner (28) träumen vom grossen Rennsport. Doch in der Schweiz sind die Möglichkeiten beschränkt. Wer es in ein professionelles Umfeld schaffen will, braucht einen solventen Sponsoren oder einen reichen Onkel. So ist allein die Teilnahme an der Formel Renault für die beiden Nidwaldner ein nur schwer finanzierbares Unterfangen: „Ein Tag auf der Rennstrecke kostet rund 2000 Franken“, sagt Simon. Neben der Miete und den Reisespesen sind die Reifen und die Mechaniker die grössten Ausgabeposten.




Sitzprobe vor dem Start:

die Pedalerie des Simulators wird angepasst.



Mit den High-Tech-Simulatoren der Formula V in Cham bietet sich den beiden nun eine ganz neue Möglichkeit: „Es ist das erste Mal, dass man in der Schweiz unter Formel-1-Bedingungen fahren kann – und dies zu günstigen Konditionen“, sagt Simon. Wie sein Bruder hat er ein Jahresabonnement für 1200 Franken gelöst. Damit kostet sie ein Renntag bei praktisch realen Verhältnissen 100 Franken.


«Praktisch real»


Was „praktisch real“ bedeutet, erklärt Simon so: „Dank der Simulation der G-Kräfte und des Fahrtwindes ist das Gefühl sozusagen Eins-zu-Eins. Fahrverhalten, Bremspunkte und die Beschleunigung aus dem Kurvenscheitel sind wie in einem echten Rennwagen.“ Zwar biete das Cockpit etwas mehr Platz, aber beispielsweise das Lenkrad unterscheidet sich in nichts vom Original: „Vettel und Räikkönen fahren mit dem gleichen Steuersystem“. Der Simulator in Cham entspricht dem Ferrari SF 70H aus der Saison 2017. So kommen Simon und Mike Danner ihrem grossen Traum einen entscheidenden Schritt näher.





Mike (links) und Simon Danner:

Zwillinge als Favoriten für den ersten Schweizer Meistertitel in der Formula V?




Dank ihrer Pionierrolle (und dem damit verbundenen Trainingsvorsprung) dürften sie zu Beginn der Schweizer Meisterschaft mit einem nicht zu unterschätzenden Vorteil rechnen. Bei einem monatlichen Preisgeld von 5000 Franken für den Sieger (3000 Franken für den Zweiten und 1000 Franken für den Dritten) sowie der Meisterprämie von 30‘000 Franken ist dies auch von wirtschaftlicher Relevanz. Mike denkt deshalb schon einen Schritt weiter: „Im Idealfall können wir mit der Formula V unsere Karriere in der Formel Renault finanzieren.“


Vorerst gilt die ganze Konzentration aber dem Training in Cham – beziehungsweise auf Simons Lieblingsstrecke, dem legendären Formel-1-Circuit von Spa-Francorchamps. Denn dank der Formula V liegt ab sofort jede Rennstrecke der Welt in der Zentralschweiz.



Thomas Renggli (Text und Fotos)