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Kevin Aebi: Formula V statt Kunstturnen


Er ist nach dem Genfer Shannon Lugassy (13) der jüngste Fahrer im Formula-V-Feld. Ohne seine Mutter könnte er nicht zu den Rennen anreisen. Doch er sagt: „Ich will ganz an die Spitze“. Kevin Aebi (14) ist der schnellste Teenager weit und breit.


Eigentlich ist Kevin Aebi viel zu jung, um selber Auto zu fahren – im Idealfall absolviert er die Prüfung in vier Jahren. In Gossau im Zürcher Oberland besucht er die Sekundarschule. In seiner Freizeit ist er ein begeisterter Geräteturner. Doch der Besuch der „Fantasy Basel“, des Festivals für Film, Cosplay, Comic und Gaming, das vor allem die „Multimedia-Generation“ anspricht, verändert im Mai seine Prioritäten auf einen Schlag.


Dort setzt sich Aebi erstmals in einen Evotek-Simulator der Formula V. Sofort ist er beeindruckt: „Das Fahrgefühl ist täuschend echt. Man wähnt sich auf einer richtigen Strecke.“ Zwar besitzt Kevin aufgrund seines Alters noch keine realen Vergleichswerte, aber im Simulator-Racing bringt er aber schon einige Erfahrung mit. Zuhause spielt er auf einem „Playseat“, einem Simulatoren-Stuhl mit Rennsitz, Steuerrad sowie Gas- und Bremspedal: „Dies ist eine wichtige Grundlage, um in der Formula V Fuss zu fassen.“


Gesagt, getan. Der rasenden Teenager qualifiziert sich gleich für das Premiere-Rennen auf dem virtuellen Rundkurs von Monza – und erreicht den bemerkenswerten 32. Platz. Im dritten Lauf stösst er bis auf den 24. Rang vor. Für einen derart jungen Fahrer sind dies respektable Werte. Doch Aebi will mehr - viel mehr: „Ich bin noch lange nicht, wo ich sein möchte. Ich will um den Sieg mitfahren.“



Kevin Aebi



Ohne Mutter chancenlos


Um dieses grosse Ziel zu erreichen, ist er vor allem auf die Unterstützung von Mutter Carmen angewiesen. Sie bezahlt ihrem Sprössling nicht nur das Jahresabonnement für 1200 Franken, sondern fährt Kevin auch regelmässig aus dem Zürcher Oberland in die Racing Lounge nach Cham. Dass sie als Alleinerziehende von drei Kindern jede Minute budgetieren muss, macht diesen Effort noch spezieller. Dies weiss auch ihr Sohn zu schätzen: „Ohne meine Mutter hätte ich keine Chance. Denn um an die Spitze zu kommen, muss ich mehr trainieren als die anderen.“


Auch deshalb verspricht sich Kevin von der Eröffnung der Racing Lounge beim Zürcher Bahnhof Tiefenbrunnen Ende August einiges: „Dann ist der Anfahrtsweg viel kürzer. Zwei bis drei Trainings pro Woche müssen dann drin liegen.“


Kevin Aebi entspricht quasi dem Simulator-Racer der Zukunft. Er ist einer der wenigen Teilnehmer, die noch nie am Steuer eines echten Autos gesessen haben. Und trotzdem qualifizierte er sich auf Anhieb für das Formula-V-Championat.  Mit anderen Worten: Aebi hat die den E-Sport im Blut.


Sein Vorbild kommt allerdings aus der echten Rennsport-Welt: „Sebastian Vettel“, wie er ohne zu zögern sagt. Ob es Kevin je in einen echten Ferrari schafft, bleibt abzuwarten. Damit er zumindest an die Spitze der Formula V kommt, hat er seine sportlichen Präferenzen aber neu gesetzt: „Mit Geräteturnen höre ich auf“. Das sind schlechte Neuigkeiten für den TV Gossau – und noch schlechtere für die Konkurrenz in der Formula V.


Thomas Renggli