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In den Spuren von Jacques Villeneuve


Er zählt zu den besten Kart-Fahrern Europas. In der Schule von Jacques Villeneuve gibt er mächtig Gas. Der 16jährige Winterthurer Jasin Ferati ist auch im Formula-V-Feld eine grosse Attraktion.


„Ich will in die Formel 1.“ Jasin Ferati spricht aus, wovon jeder junge Rennfahrer träumt. Doch im Fall des 16jährigen Automechaniker-Lehrlings steht die Aussage für mehr als nur einen unrealistischen Wunsch. Ferati gehört zu den schnellsten Kart-Fahrern seiner Altersklasse – europaweit. Zwei Rennen vor Saisonschluss der international ausgeschriebenen deutschen Meisterschaft liegt er im Gesamtklassement auf dem zweiten Platz und besitz reelle Chancen auf den Titel.


Gleichzeitig hat er in der Rennsport-Schule des früheren Formel-1-Weltmeisters Jacques Villeneuve in Magny-Cours, „Feed Racing France“, auf sich aufmerksam gemacht. Dem Sieger des Ausbildungsprogramms winkt ein Platz in einem Formel-4-Team. Villeneuve persönlich „habe einen Narren am Schweizer Talent gefressen“, heisst es aus gut unterrichteten Quellen. Der 48jährige Kanadier verfolgt mit seinem Förderungsprojekt das Ziel, auch finanziell  weniger gut situierten Fahrern eine Möglichkeit zu geben, im Rennsport Fuss zu fassen: „Das Talent muss entscheiden – und nicht das Geld“, sagte Villeneuve dem deutschen Motosport-Magazin. Heute würden es viele junge Fahrer gar nicht mehr wagen, von einer Rennsportkarriere zu träumen.




Bei Ferati lebt der Traum. Das war auch bei seinen ersten Teilnahmen am Formula-V-Championat spürbar. Ohne grosse Vorbereitung fuhr er auf die respektablen Plätze 16 und 13. „Die Evotek-Simulatoren kommen dem echten Rennsport sehr nahe“, sagt er. Und trotzdem hilft ihm seine Erfahrungen aus dem Kart- und Formel-Racing nur bedingt weiter: „Fahrer, die sich auf Simulatoren-Rennen spezialisiert haben, besitzen einen entscheidenden Vorteil.“ So steigt er am kommenden Sonntag ohne übertriebene Erwartungen ins Cockpit: „Ich gehe nach Cham und fahre einfach los. Dabei kann ich viel lernen und viel gewinnen“. Ferati denkt dabei an den Sieger-Scheck von 5000 Franken.


Es ist Geld, das er gut gebrauchen könnte. Denn der Schweizer mit mazedonischen Wurzeln stammt aus einem Umfeld, das sich den grossen Rennsport kaum leisten könnte. Umso dankbarer ist er, dass ihm mit dem renommierten Motorsportjournalisten Peter Lattmann ein bestens vernetzter Berater zur Seite steht: „Peter hat mir mit seinen Kontakten schon einige Sponsoren vermitteln können.“ Dass es zu dieser Zusammenarbeit gekommen ist, lag an der Initiative von Jasins Grossvater. Dieser überzeugte Lattmann davon, Jasin auf der Kart-Rennstrecke anzuschauen. Das war vor sieben Jahren. Und was sah Lattmann damals: „Einen sehr talentierten Jungen. Ich gab ihm zwei Tipps: Probiere, die Runden immer gleichschnell zu fahren – und miss dich an Erwachsenen.“


Jasin nahm die Ratschläge an und gehört seither in seiner Altersklasse stets zu den Schnellsten. Ob sein grosser Formel-1-Traum aber je wahr wird, hängt von vielen Faktoren ab. Lattmann erklärt: „Man muss im richtigen Moment am richtigen Ort sein – und auch einiges Glück haben. Wenn man in der Formel 4 auffällt und von einem grossen Team unter Vertrag genommen wird, steigen die Chancen.“ Unabhängig davon sagt er: „Jasin hat das Zeug, um dereinst vom Rennsport leben zu können. Es gibt ja nicht nur die Formel 1.“


Einen Schritt in diese Richtung kann Jasin Ferati am kommenden Sonntag in Cham auf dem virtuellen Rundkurs von Silverstone machen. Gewinnbringende Insiderinformation hat sein Förderer Jacques Villeneuve parat. Zwei seiner elf GP-Siege feierte der Kanadier im englischen Rennsport-Mekka.


Thomas Renggli