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Ein Deutscher gewinnt auf dem Nürburgring


Erfolgreiche Premiere für Manuel Sudau in der Formula V. Schon im ersten Anlauf triumphiert der 33-jährige Deutsche in der Racing-Lounge in Cham: „Cool“ sagt er zu seinem Erfolg. Der Zuger Christoph Holstein wird Zweiter. Felix Hirsiger, der Sieger der ersten beiden Läufe, muss sich mit Rang 3 begnügen


Auf dem virtuellen Nürburgring startete Sudau aus der Poleposition zum 30-minütigen Finalrennen. In der ersten Hälfte profitierte er davon, dass sich die Fahrer auf den Rängen 2 bis 4 harte Positionskämpfe lieferten: „Ich konnte so meine Führung konsolidieren.“ Mit zunehmendem Rennverlauf forcierten Holstein und Hirsiger aber die Pace und bedrängten den deutschen Einsteiger. Doch Sudau liess sich nicht aus der Ruhe bringen: „Ich wusste, dass ich ohne Fehler kaum von der Spitze zu verdrängen bin.“ 





Gesagt getan. Sudau, der an der ETH Zürich als Raumentwickler doziert, liess sich nicht mehr von der Ideallinie abbringen. Entsprechend zufrieden war er nach der Siegerehrung: „Ich bin mit geringen Erwartungen gestartet. Umso schöner ist dieser Erfolg.“ Und auch finanziell hat sich der Sonntagsausflug in die Zentralschweiz gelohnt: „Die 5000 Franken nehme ich gerne nach Hause.“


Der Erfolg von Sudau war nicht unbedingt absehbar. Im Qualifying deutete sein 14 Jahre jüngerer deutscher Kollege Angelo Michel ein ebenso grosses Potenzial an. Doch für den Münchner ging das Rennen bereits in der Runde der letzten 32 zu Ende: „Der physische Anspruch ist in diesen Geräten grösser als im deutschen Simracing“ beschrieb Michel den hauptsächlichen Unterschied zur heimischen Klasse. Auch die Leistungsdichte erschwerte die Aufgabe. In der morgendlichen Ausscheidung blieben 25 Fahrer innerhalb von drei Sekunden. „Die Luft in der Spitzengruppe wird immer dünner“, sagt Rennleiter Marco Hammer.



Von links: David L'Addomada, Felix Hirsiger, Manuel Sudau, Christoph Holstein


Doch zurück zu Sieger Manuel Sudau. Der hatte sich nicht zuletzt Lerneffekte für die Simulatoren-Rennen in Deutschland erhofft – gerade im Zusammenspiel mit seinem Kollegen Felix Hirsiger: „Aufgrund seiner Vergangenheit im realen Rennsport bringt Felix einige Qualitäten mit, die wir nicht besitzen – den Renninstinkt, die Perfektion in der Vorbereitung und die physische Detailarbeit“.


Dies sind Worte, die Monisha Kaltenborn gerne hört. Die frühere Sauber-Team-Chefin, seit Anfang Monat CEO der Formula V, sieht eine grosse Schnittmenge zwischen dem Simulatoren-Rennsport und der realen Welt: „Der Übergang ist schon jetzt fliessend. Schauen Sie nur, wer bei uns startet. Da hat es viele Fahrer mit dem Background aus Klassen wie Formel 4 oder Formel Renault. In der Formel 1 werden die Fahrer nach ihren Telemetrie-Daten bewertet. Diese Daten lassen sich auch bei uns ablesen – und man sieht exakt, wo man sich optimieren kann.“ 


Grenzen sieht sie für die neue Serie keine: „Wir möchten schon mittelfristig ein weltumspannendes Netz aufgebaut haben – damit wir Meisterschaften auf nationalen und internationalen Ebenen austragen können. Wir haben den Vorteil, dass wir uns nicht sukzessive aus der Schweiz heraus ausbreiten müssen. Wir können auch direkt in ein weit entferntes Land gehen. In der virtuellen Welt ist alles möglich.“



Die Chefin strahlt mit: Monisha Kaltenborn, die neue CEO von Formula V mit jahrelanger Formel-1-Erfahrung, freut sich auf dem Podium mit den Preisträgern. Rechts im Bild Marco Lauber, der operationelle Leiter von Formula V.



Hirsiger steigt aufs Fahrrad


Alles möglich ist auch im Rennen um den Gesamtsieg. Während Manuel Sudau aufgrund von privaten Verpflichtungen beim nächsten Formula-V-Lauf im August fehlen wird, verschiebt Leader Hirsiger seinen Fokus kurzfristig auf die muskelbetriebene Fortbewegung. Von seinem Wohnort Erlenbach aus will der ambitionierte Amateur-Radrennfahrer in den kommenden Tagen bis nach Monte Carlo pedalen – ganz alleine und nur mit ein paar Wechselkleidern und der Kreditkarte im Gepäck: „Das wollte ich schon immer machen“, nennt er den trivialen Grund für die rund 1500 Kilometer lange Hin- und Rückfahrt. Dabei überquert er mit dem Col du Galibier (2642 m. ü. M) und dem Col de la Bonette (2715 m. ü. M.) zwei der höchsten asphaltierten europäischen Strassen. Dies soll ihm auch die Richtung für die Fortsetzung der Formula-V-Saison weisen. Denn für den Zürcher gibt es weiterhin nur ein Ziel: den Gesamtsieg und die Meisterprämie von 30‘000 Franken.


Thomas Renggli, Cham



Runde 3 / Nürburgring 28.07.2019


Rang

Name

Punkte

1

Manuel Sudau

25

2

Christoph Holstein

18

3

Felix Hirsiger

15

4

David L'Addomada

12

5

Roy Ricklin

10

6

Simon Danner

8

7

Dustin Wüest

6

8

Roger Marte

4

9

Simon Benoit

2

10

Julien Apotheloz

1