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Die schnellste Operationsschwester der Schweiz



Temporausch in der Racing-Lounge der Formula V in Cham: gegen 50 Racer und eine Frau kämpften in den vier Evotek-Simulatoren auf der Formel-1-Strecke von Monza um die Startplätze für den ersten Lauf der Schweizer Meisterschaft vom Samstag, den 25. Mai.

 

Dass es dabei um mehr geht als um Ehre und Prestige (sondern auch um ein Preisgeld in der Gesamthöhe von über 100‘000 Franken), prägte schon bei der Premiere-Veranstaltung die Stimmung im Raum: Die Konzentration in den Simulatoren war förmlich greifbar, die Stille während der achtminütigen Rennen ohrenbetäubend. Und die Emotionen gingen so hoch wie an einem echten Formel-1-Rennen. Eine geballte Faust da, ein konsterniertes Kopfschütteln dort. Die Leistungen wurden von den Fahrern akribisch analysiert. Längst nicht jeder war über seine Performance glücklich. Denn die Formula V ist kein Kinderspiel - und die technischen und koordinativen Anforderungen sind hoch. Die Hochgeschwindigkeitsstrecke des Autodromo Nazionale in Monza verlangte den Teilnehmern einiges ab.




Wohnt in Thun, arbeitet in Bern, fährt Formula V in Cham: Darica Brönnimann



Eine mehr als respektable Leistung zeigte Danica Brönnimann aus Thun, die einzige Frau im Starterfeld. Obwohl sie zuvor erst einmal in einem Simulator gesessen und sich vor allem zuhause an der Game-Konsole auf ihren Einsatz vorbereitet hatte, hielt sie gut mit ihren männlichen Konkurrenten mit, verbesserte sich von Lauf zu Lauf und klassierte sich mit einer Zeit von 1:26,125 im breiten Mittelfeld.


Ganz zufrieden war die 27jährige Operations-Assistentin aus dem Berner Inselspital aber doch nicht: „Das manuelle Schaltsystem ist gewöhnungsbedürftig. Mit der automatischen Schaltung wäre wohl eine noch bessere Zeit möglich gewesen.“ Grundsätzlich war sie aber sehr angetan von der Rennatmosphäre und von den Möglichkeiten, die der Simulator bietet: „Ich fuhr schon einmal in einem Formel-Renault-Boliden auf einer echten Rennstrecke. Das hier kommt der Realität sehr nahe.“ Das Tempo in Monza allerdings ist höher als auf fast jedem anderen Circuit. Der Speed-Rekord liegt bei 372,6 km/h – aufgestellt von Juan Pablo Montoya im Jahr 2005. Auch die Formula-V-Boliden durchstiessen am Samstag auf mehreren Streckenabschnitten die 300-km/h-Grenze: „Das ist ein ganz starkes Gefühl“, sagt Brönnimann.


Mit ihrem positiven Eindruck war die Berner Oberländerin nicht allein. Selbst als Zuschauer konnte man sich davon überzeugen, wie realitätsnah die Bedingungen im Simulator sind. Die Fahrer wurden von den Fliehkräften in die Gurten gedrückt und bei jeder Bodenunebenheit von einem Rumpeln durchgeschüttelt. Die Anspannung trieb ihnen den Schweiss in die Stirn.


Rennleiter Marco Hammer war mit dem Test unter Wettkampfbedingungen hochzufrieden: „Wir haben den Tag genutzt, um die Abläufe zu optimieren und den ersten Renntag zu simulieren.“ Zwei Wochen vor dem Start zur Schweizer Meisterschaft kann er mit gutem Gewissen sagen: „Wir sind bereit.“ Für Danica Brönnimann gilt dies ebenfalls. Die schnellste OP-Schwester des Landes besitzt nach der Leistung bei ihrer Premiere gute Chancen, am 25. Mai erstmals um den Schweizer Meistertitel mitzufahren.


Tagesbestzeit fuhr Christoph Holenstein mit 1:21.013, und der 14jährige Junior Kevin Aebi, der jüngste Racer im Feld, schaffte bemerkenswerte 1:24.309.



Thomas Renggli, Cham